Stimme und Stress, zwei Faktoren, die sich immer gegenseitig beeinflussen. Aber wieso? Diese Frage, möchte ich in diesem Blogbeitrag beantworten.
Stress
Jeder kennt ihn, jeder hat ihn von Zeit zu Zeit. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass sich Ihr Stimmklang bei Stress seltsam verändert? Stress ist nicht unbedingt was Schlechtes. Stress lässt sich in Distress und Eustress unterscheiden. Distress, ist der Stress, den wir mit negativen Gefühlen verbinden. Beispielsweise ist auf der Arbeit so viel zu tun, dass Sie gar kein Land mehr sehen. Sie geraten in Stress, werden hektisch und bemerken eine unangenehm aufsteigende Anspannung. Diese hat übrigens negative Auswirkungen auf die Stimme, dazu aber später mehr.
Eustress hingegen ist ein positiver Stress. Stress, dem wir uns gerne aussetzen. Ein Beispiel für Eustress wäre, Sie bekommen am Abend Besuch von Freunden und freuen sich da schon sehr drauf. Natürlich gibt es aber noch einiges zu tun. Die Wohnung darf hergerichtet werden, Besorgungen für das leibliche Wohl müssen getätigt werden und plötzlich ist die Uhr schneller als gedacht und in 30 Minuten stehen die Gäste vor der Tür. Was fehlt? Genau, Sie haben sich noch nicht für den Abend zurecht gemacht. Jetzt aber schnell. Dies ist auch eine Art von Stress, aber positiver Stress. Sie freuen sich auf den Abend mit Freunden und nehmen deswegen aufkommende Hektik gerne in Kauf.
Stress und seine Folgen
Wie vorhin schon kurz erwähnt, macht sich bei Distress eine Anspannung bemerktbar. Ihre Auswirkungen können Sie unterschiedlich wahrnehmen. Einerseits kann sich diese Anspannung als ein unangenehmes ganzkörperliches Engegefühl äußern. Andererseits ist sie auch durch Verhaltensänderungen bemerkbar. Aus einem eigentlich eher ruhigen Charakter, wird ein Hektischer und Unruhiger. Wenn es ganz Blöd läuft kann Stress sogar zu Schlafstörungen und Appetitlosigkeit führen. Beides nicht unbedingt förderlich für eine gute Laune am Tag. Auf Grund dieser Folgen erhöht sich auch zunehmend Ihr Muskeltonus, was maßive Auswirkungen auf die Stimmfunktion hat.
Folgen für die Stimme
Die Stimmfunktion ist ein Zusammenspiel von zahlreichen Muskeln und der Atmung. Auch Letzteres geschieht auf Grund von Muskeln. Wenn der Muskeltonus sich durch den Stress so sehr anspannt, ist die Muskulatur in ihrer Wirkweise sehr eingeschränkt. Sie dürfen sich die Muskulatur wie eine Kette vorstellen, d.h. ganz gleich wo sich in Ihrer Muskulatur Verspannungen befinden, haben diese natürlich auch Auswirkungen auf die Muskulatur, die für die Atmung und für die Stimme verantwortlich sind. Zunächst können Sie eine Veränderung des Stimmklanges wahrnehmen. Deswegen versuchen Sie unbewusst, Ihre Stimme wieder in gewohnter Art und Weise erklingen zu lassen. Dies passiert meistens in Form von Druck. Sie fangen an beim Sprechen unbewusst vermehrt zu pressen, weil sie zunächst eine Verbesserung ihres Stimmklanges feststellen. Für einen kurzen Zeitraum scheint dies auch sehr gut zu funktionieren. Sie werden aber vermehrt feststellen, dass mit der Zeit, das Sprechen zunehmend anstrengend wird. Daraus entwickelt sich dann häufig eine Unsicherheit beim Sprechen. „Was ist nur mit meiner Stimme los?“, „Bin ich erkältet?“.
Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben
Um es auf die Spitze zu treiben kann es zudem passieren, dass Sie Ihre Potentiale auf der Arbeit nicht mehr vollständig zeigen können, weil Sie, wenn möglich, anfangen Sprechen zu vermeiden. Es ist viel zu unangenehm geworden. Bisher souverän gehaltende Präsentationen vor Kollegen oder dem Chef werden zum stimmlichen Hochleistungssport. Stimmliche Einschränkungen haben jedoch nicht nur Einfluss auf Ihr Berufsleben, sondern auch auf Ihr Privatleben. Tagsüber, auf der Arbeit stimmlich ausgepowert, sehnen Sie sich nach Stimmruhe. Aber zu Hause wartet die Familie oder der Partner, die Parterin auf Sie. Natürlich möchten diese mit Ihnen kommunizieren, sodass Sie deren Redebedürfniss nachkommen. Die Stimme wird dabei jedoch weiterhin schlechter. Endlich im Bett, kann die langersehnte Stimmruhe gehalten werden. Aber die Sorge am nächsten Tag wieder Unsicherheiten mit der Stimme zu haben, nimmt immer weiter zu. Dies stresst natürlich zusätzlich. Ehe Sie sich versehen, kann auf Grund von andauerndem Stress eine Stimmstörung entstehen, die einer logopädischen Behandlung bedarf.
Vorbeugung von Stimmproblemen auf Grund von Stress
Natürlich ist es möglich, Stimmprobleme auf Grund von Stress vorzubeugen. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich regelmäßig Erholungspausen gönnen. Eine sogenannte „ME-Time“, Zeit nur für sich, ist notwendig. In dieser „ME-Time“ haben Sie die Möglichkeit, sich zu entspannen. Mit entspannen meine ich jetzt nicht auschließlich Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, PMR nach Jacobson oder Hypnose (obwohl diese Mittel sehr hilfreich sein können). Ich meine hier auch einfach nur Zeit für sich, in denen Sie das tun, was Ihnen gut tut. Beispielsweise ein gutes Buch lesen, kochen, Musik hören, mit Freunden telefonieren oder einen schönen Spaziergang machen. Ich bin mir sicher, Sie wissen sofort, was Ihnen gut tut. Also wichtig! Entspannungen in den Alltag einbauen! Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse.
Jetzt denken Sie bestimmt, so einfach kann es doch gar nicht sein?! Wissen Sie was? Doch! Es ist so einfach. Manchmal bedarf es aber ein Wink von Außen, damit man sich selber die Erlaubnis für Erholungsphasen gönnt.
Wenn Sie mehr wissen möchten, oder schon eine Stimmstörung haben, dann melden Sie sich gerne bei mir. Hier klicken.

